Autorin Katja Hachenberg
Erlesen

Donna Tartt: Der Distelfink

München, 2013

„Der Distelfink“ belegte gleich Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste und begeisterte Leser wie Kritiker: „Ein grandioser Roman, der daran erinnert, wie schön es ist, sich voll und ganz in ein Buch zu vertiefen“ (New York Times)


Für mich ein ganz großes, ein ganz besonderes Buch und unbedingt lesenswert! Bis dahin hatte ich noch nichts von Donna Tartt gehört, erst durch ein großes Interview im ZEIT-Magazin anlässlich des Erscheinens von „Der Distelfink“ wurde ich auf sie aufmerksam. Donna Tartt hat bislang drei Romane veröffentlicht – im Zehnjahresabstand. „Der Distelfink“ begeistert durch seine perfekte Komposition und eine absolut stringent erzählte Geschichte. Nicht oft kommt es vor, dass einem ein in jeder Hinsicht (Form, Inhalt, Sprache und Stil) so vollkommenes Buch begegnet. Theo Decker gehört für mich nun zum Inventar der unvergesslichen literarischen Figuren. „Der Distelfink“ ist, neben allem anderen, auch ein Bildungs- und Entwicklungsroman. „Was immer uns lehrt, mit uns selbst zu sprechen, ist wichtig: was immer uns lehrt, uns singend aus der Verzweiflung zu lösen“, heißt es am Ende des Buchs. Theo Decker, inzwischen erwachsen geworden und nach dem Durchlaufen größter Irrungen, Wirrungen und Verwicklungen, erkennt, „dass das Schicksal grausam ist, aber vielleicht nicht beliebig“. Und dass „die Natur (also der Tod) immer gewinnt, was aber nicht bedeutet, dass wir buckeln und um Gnade winseln müssen. Dass es, auch wenn wir nicht immer so froh sind, hier zu sein, unsere Aufgabe ist, trotzdem einzutauchen: geradewegs hindurchzuwaten, mitten durch die Jauchegrube, und dabei Augen und Herz offen zu halten“. Der Protagonist hat gelernt, seine eigene Liebe der Geschichte der Menschen hinzuzufügen, „die schöne Dinge geliebt und auf sie geachtet und sie aus dem Feuer gezogen und sie gesucht haben, als sie verloren waren, und die sich bemüht haben, sie zu erhalten und zu bewahren, während sie sie buchstäblich von Hand zu Hand weiterreichten, strahlend singend aus den Trümmern der Zeit zur nächsten Generation von Liebenden und zur nächsten“. Wer die 1022 Seiten von „Der Distelfink“ gelesen hat, wird, so wage ich zu behaupten, nie wieder ganz derselbe sein. Ein Buch, das tiefgreifend verändert. „Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen… Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind“.

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